TEMPEST

norbert math | ludwig zeininger

tempest ist ein versuch über entmaterialisierung mittels mehrmaliger übersetzung und rückübersetzung von bild und klang. alle hörbaren ereignisse entstehen aus visuellen objekten, z.b. computergraphiken oder bildern einer videokamera. alle sichtbaren ereignisse werden von klängen erzeugt.

zur übersetzung der daten werden verschiedene techniken angewendet, z.b:

- die direkte ausgabe von bitmustern über die soundkarte (es ist im digitalen kontext unerheblich, ob die daten bilder oder klängen repräsentieren, es ist nur eine frage der ein- und ausgabe, somit der interpretation), sowie

- die technik des "abhörens" der aus datenströmen unweigerlich entstehenden elektromagnetischen felder um computer, kabel und monitor durch radiogeräte. die daten werden durch ein radio, das in der nähe des monitors aufgestellt und auf ca. 10000 khz (mittelwelle) eingestimmt ist, interpretiert. die visuellen objekte werden mit einem webinterface, display2radio, das eine computergenerierte partitur beinhaltet, erzeugt und im radio als rhythmische und melodische strukturen hörbar.

jeder elektronischer datenstrom produziert ein elektromagnetisches feld, das mit geeigneten mitteln auch für dritte abhörbar ist. durch das aufspüren der felder können dritte die übertragenen daten ablesen ("tempest"). unsere absicht ist nicht die, codes zu entziffern, d.h. eine eindeutige bedeutung dieser codes festzulegen, sondern sie in ihrer vieldeutigkeit, bzw. undeutbarkeit zu belassen - die hörerin bekommt keine bilder bzw. lösungen, sondern erzeugt sich diese bilder selbst. das produkt ist nicht das klangereignis an sich, sondern die ereignisse, die beim hören als synästhetische artefakte im bewußtsein entstehen: "multimedia" ist hier nicht die erzeugte zuordnung von bild- und klangereignissen (wie z.b: bild- und tonspur im film). der klang wird vielmehr selbst zum träger von optischen ereignissen. das radio wird wiederum zum bilderzeuger, definiert sich also neu als visuell/akustisches medium.

das projekt, und in folge die band tempest entwickelten sich aus der zusammenarbeit von norbert math und ludwig zeininger für das projekt replay update des orf kunstradio - eine auseinandersetzung mit den anfängen der medienkunst in österreich. unser interesse lag an den damaligen methoden der "entmaterialisierung" als möglichkeit zur verweigerung der produktion von materiell existenten "werken" und damit strategie zur entkopplung vom kunstmakt (ernst caramelle).

die radioarbeit tempest wurde im märz 2001 in ö1 kunstradio erstmals gesendet. eine überarbeitung dieser arbeit erschien 2002 als cd beim grazer kleinlabel tonto, das, analog zu den compact-cassetten - editionen der 70er jahre, als selbstorganisiertes label arbeitet.

heute ist tempest eine live-band, die in einem improvisatorschen kontext operiert. die ausgangssituation bleibt die selbe: maschinen werden in einen situation gebracht, wo sie zur preisgabe von daten gezwungen werden. diese daten werden in echtzeit wieder in das system eingeschleust.

links

tempest
norbert math
ludwig zeininger
tempest@kunstradio
tempest@tonto

 

<< index

Last modified: Wed Mar 19 18:03:42 CET 2003