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Ballade aus dem Ibmer
Moor von Rudolf Huber
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1: Es wird der Tümpel zum gierigem Schlund, Geht ein Irrer, ein Flüchtling auf schwarzem
Grund, Heut morgen noch ging er mit flüchtigem
Schritt, |
2: Dort zecht er,bis die Schatten sich neigen und brach erst auf, als die Sterne sich zeigen. Schon brannte der Spätwind in Nase und Ohr, und aus Gräben und Stichen kroch Nebel hervor, als endlich er hin zum Birkengrund kam und das Reisig auf seinen Rücken nahm. Dann gähnte der Tag und es schloß sich sacht, sein leuchtendes Auge und es ward Nacht. Nun schwankt er mit seinem Bündel einher, es drückt ihm als ob es ein Maltersack wär. Er stöhnt und er flucht und jetzt wirft er die Last, ins Heidekraut hin und hält darauf Rast. Da sitzt er nun keuchend im nachtschwarzen
Moor, |
3: Nun zeigt sich ganz deutlich ein tanzendes Licht, das rasch aus der finsteren Nebelbank bricht. Sieh da! Wie ein Glühwurm kommt's angeflogen und umkreist ihn lautlos in weitem Bogen. Ein Irrlicht, durchzuckt's ihm, doch gleich knurrt er rauh: "Altweibergeplapper und Kinderwauwau!" Schon einmal versuchten sie ihm zu necken und ihm mit gaukelndem Licht zu erschrecken, jedoch er ging ihnen nicht auf dem Leim und trieb mit dem Stecken, die Nachtbuben heim. Seit jener Nacht, da man feig ihn beschlich, trägt er Ochsenziemer und Schlagring mit sich. Vergessen sind plötzlich die düsteren Bilder, er springt nach dem flackernden Licht wie ein Wilder. Nun ist er ihm nah und immer wieder, saust pfeifend der Ochsenziemer hernieder. Er schlägt in die Luft, es ist ihm entschlüpft! Nun kommts von der anderen Seite gehüpft. "Laternenschaukler, dich krieg ich noch! Er macht einen Satz und stürzt in ein Loch. Es zieht ihm der Sumpf die Stiefel aus, und kriecht nur mit Müh' ohne sie heraus. Im Nebel aber, mit grünlichem Glanz, umschwirrt ihn das Licht in hüpfendem Tanz. Nun ist seine Wut erst richtig entfacht. Er nimmt seiner bloßen Füße nicht acht, nicht der beißenden Kälte der Finsternis nicht. Mit knirschenden Zähnen verfolgt er das Licht, das immer größere Kreise zieht und dann schwankend ins tiefe Moor entflieht. Er hastet mit hechelndem Atem dahin, und lechzende Rache füllt Seele und Sinn. Es brechen im stechenden Latschengewirr, die frostharten Äste mit leisem Geklirr. Er fällt in die Dornen im Bronbeergrund und stößt sich die Zehen an Wurzeln wund, nur weil er das Licht nicht verlieren will. Was ist? Nun hält es ganz plötzlich still. |
4: Er schleicht es wie eine Katze an, er duckt sich und streckt sich und springt sodann. Er schwingt den Schlagring in seiner Faust und hofft, daß er trifft, wenn er niedersaust. Da stürzt er ins Leere mit gellendem Schrei und denkt nur das eine: "Jetzt ist es vorbei!" Es spritzt das Wasser, es gurgelt der Grund, er sinkt hinein in des Moores Schlund. Es scheint mit langsamen, würgenden rucken ohne Hast und mit Gleichmut der Sumpf ihn zu schlucken. Zur Richtstatt wird der verlassene Stich, er will es nicht glauben, noch wehrt er sich. Doch je mehr er sich müht in der Todespein, desto tiefer und tiefer sinkt er hinein. Schon steht bis zum Hals er im brodelnden Brei, nur den Kopf und die Arme hält er noch frei. Sein hilfloser Blick sieht die Nebelweben hoch über sich hin das Lichtlein schweben. Es wähnt ihm gekommen die Todesstunde, da wird ihm noch Hilfe in letzter Sekunde. Schon gluckst ihm die stinkende Brühe ums Ohr, da greift er die Leiter und zieht sich empor. Entronnen aus grausiger Todesnot fällt hin er ins Moos und liegt dort wie tot. Sein Zorn ist verraucht, sein Haß ist ertrunken, die Rachgier im brodelnden Moorgrund versunken. Es beißt ihn die Kälte, er muß von hier fort. Das Licht steht noch immer im Nebel dort. Nun sieht er's bald steigen und dann wieder sinken, fast scheint es ihm so, als wollt' es ihm winken, und er geht mit bedächtigem Schritt darauf zu. Nun schwebt es vor ihm in friedlicher Ruh und führt ihn aus Schwärze und Nebelgraus auf sicherem Pfad aus dem Moor hinaus. Und weiter folgt er des Lichtes Schein, er weiß nicht warum, nach Ibm hinein. |
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6: Es brennt in Gehäuse mit grünlichem Schein ohne Docht, ohne Wachs, die Flamme allein. Er steht wie versteinert und rührt sich nicht, er atmet nur mühsam und stiert in das Licht. Die Bäckersleut eilen herbei und fliehen zurück mit Entsetzensschrei. Nun endlich löst sich des Schreckens Macht und behutsam trägt er das Licht durch die Nacht, zum Kirchlein hinein und tritt durch das Tor und geht zum Altarstein und hebt es empor. Dann wirft er sich auf das Pflaster nieder: O du mein guter Herr Jesus Christ, der du der große Verzeiher bist, du hast mir wahrhaftig dies Licht hier gesandt, daß ich greife nach deiner erbarmenden Hand. Ich preise dienen hochheiligen Namen!" Er schlägt noch das Kreuz und spricht noch das "Amen" da durchzuckt wie der Blitz ihn ein stechender Schmerz, er stürzt auf das Pflaster und greift an das Herz. Der Atem geht schwer und löst bald darauf sich in qualvolles Stöhnen und Röcheln auf. Dann kehrt wieder Stille ins heilige Haus und füllt es mit göttlichem Frieden aus. Der Bäcker wagt's erst im Morgengrauen durch den Türspalt in das Kirchlein zu schaun. Das Licht ist verschwunden, die Laterne leer, auf dem Pflaster liegt Veit und atmet nicht mehr. Wann starb der Veit Zinder? Kein Mensch weiß das klar. Sein Grab ist so wild, wie sein Leben war, drauf wuchern der Feldblumen vielerlei, und seltsam, auch Heidekraut ist mit dabei. Warum es grad hier seine Wurzeln geschlagen, und seit wann es da blüht, das kann keiner sagen. Ja, einmal im Jahr, in herbstlicher Nacht, hält ein Lichtlein auf seinem Grabhügel Wacht. |